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Es gibt wohl keinen überstrapazierteren Terminus wie “Jazz” in der elektronischen Musik. Sobald die ersten grauen Haare im Fünftagebart sprießen, wird die Bassdrum auf Offbeat programmiert und mit frei umhersummsenden Blasinstrumenten und improvisierten Klavierakkorden aufgepeppt. Leider will die Meute zumeist weder dazu tanzen noch der Jazz-Connaisseur anerkennend nicken, kurz: die meisten Techno-Jazz-Fusionen kann man als gescheitert betrachten. Wie man es richtig macht, zeigen die vier Kanadier von Cobblestone Jazz, die mit Livetake-Ansatz, viel Spielfreude, Vocoder-Einsatz, Ravesignalen und den berüchtigten Basslines von Mathew Jonson Techno unter den improvisierten Vorzeichen von Freejazz machen. Heute live in der Panorama Bar, um ihr neues Album “Modern Deep Left Quartet” vorzustellen. Außerdem: Nick, Margaret und der geradezu hyperaktive Ryan Crosson.
Interview Mathew Jonson
Bitte stelle dich vor.
Mein Name ist Mathew Jonson. Ich bin aus Kanada und einer der Gründer von Wagon Repair und Wagon Repair LTD.
Du arbeitest anscheinend gerne mit anderen Leuten zusammen. Was ist deine Rolle bei Cobblestone Jazz und Midnight Operator, dem Projekt mit deinem Bruder Nathan?
Bei Cobblestone Jazz stehen Basslines in meinem
Hauptfokus, außerdem noch Engineering und Abmischung.
Ich programmiere noch ein paar Drums und Synths hier und da, aber alles recht simpel gehalten. Bei Midnight Operator konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Synths und mein Bruder Hrdvsion auf die Drums. Natürlich gibt jeder in jedem Projekt am Ende seinen Input und manchmal wechseln die Rollen auch. Es ist schön, einen Schwerpunkt zu haben und innerhalb eines abgesteckten Rahmens kreativ zu sein. Ich denke, das ist auch ein Grund warum ich nicht so gerne mit dem Computer arbeite: man hat zu viele Möglichkeiten, um
sich zu verzetteln.
Du bist ja dafür bekannt, keinen Computer beim Produzieren zu benutzen.
Um ehrlich zu sein, habe ich Computer in meinem Studio. Ich benutze sie halt hauptsächlich zum Aufnehmen. Ein Großteil meiner Musik wird mit einem Step-Sequenzer, Drum Machines und einem Akai MPC1000 produziert. Ich liebe es Drum Machines als Sequenzer einzusetzen, meiner Meinung nach kann man damit ein ganz eigenständiges Gefühl in der Musik erzeugen,
das schwer mit dem Computer herzustellen ist. Die Methode der Aufzeichnung beeinflusst tatsächlich auch den Klang!
Was macht ihr eigentlich genau, wenn ihr mit Cobblestone Jazz live spielt?
Danuel Tate spielt Vocoder, Fender Rhodes und verschiedene Synthesizer. Er spielt wirklich alles live ein, er ist ein echtes Talent! Tyger Dhula spielt mit unterschiedlichen Loops und atmosphärischen Klängen und macht eine Menge Percussion-
Sequencing mit Ableton Live. Ich spiele mit dem SH 101, TR-909, einer Electron Machinedrum und mixe. Wir stehen uns gegenüber, so dass jeder die Körpersprache der anderen im Blick hat. Das ist für uns der beste Weg miteinander zu kommunizieren. Am Ende gibt es ungefähr 50% komplett neue, improvisierte Musik zu hören und 50% Kram aus dem Studio, den wir neu bearbeiten.
Wie geht’s mit deinem Label Wagon Repair weiter?
Als wir angefangen haben, waren die meisten von uns noch Nachwuchskünstler, aber jetzt, wo wir alle an einem ganz anderen Punkt unserer Karriere stehen, können wir auch das Label ein wenig hochfahren. Bisher haben wir uns vor allem auf Singles und DJs konzentriert, aber jetzt gibt es auch Alben. Um das richtig zu machen, mussten wir einige Sachen voranbringen. Wir haben die neue Firma Wagon Repair LTD
gegründet, die in erster Linie unsere Alben anschieben soll. In der Vergangenheit haben wir nur mit einer Presseagentur gearbeitet, jetzt haben wir verschiedene für Europa, USA und Japan. Unsere Ansprüche sind hoch und wir werden in Zukunft eine größere Bandbreite an Musik veröffentlichen, jetzt wo es einfacher ist in großen Plattenläden wie HMV und Virgin platziert zu werden. Es war viel Arbeit dorthin zu kommen, wo wir jetzt stehen, und ich denke es lohnt sich auf jeden
Fall, weiterhin zu wachsen und unseren Künstlern dann auch mehr bieten zu können. Ich hoffe, die Rechnung geht auf… die letzten Monate waren wirklich verrückt. Mein Album wird der Testlauf.
Mathew Jonson spielt mit Cobblestone Jazz am Freitag, 21. Mai, live in der Panorama Bar.
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