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Industrial war immer einer der etwas vergessenen, älteren Brüder von Techno. Erst in den vergangenen Jahren gibt es wieder verstärkt Kurzschlüsse zwischen den beiden Szenen und heute Nacht haben wir mit dem Brooklyner Techno-Pionier und Sonic-Groove-Betreiber Adam X, dem amerikanischen Headfuck-Spezialisten Mike Parker und den Live-Act Orphx drei ausgesprochen hörenswerte Grenzgänger im Haus. Das kanadische Duo Orphx arbeitet seit gut 20 Jahren an einer Fusion aus Techno, Industrial und Elektro-Akustischer Musik. Sie zählen zur Rhythmic Noise Szene und haben auf Labels wie Hymen ihre düsteren Experimentaltracks veröffentlicht. Seit kurzem sind sie nun auch auf Sonic Groove zu hören, wo sie ihren maschinellen Krach mit einer zeitgenössischen Bassdrum kreuzen. Auch ein Herz für das Abseitige, nicht Offensichtliche, hat David Vunk mit seinem Label Moustache, der heute in der Panorama Bar sein Fünfjähriges feiert. Das Label mit dem Schnurri kommt mit der typisch Rotterdamer Mischung aus Italo Disco, Vintage House und Detroit Techno. Unsere besondere Empfehlung gilt Gesloten Circel, der sich mit Platten auf I-F’s Murder Capital, Clone Basement und Moustache Techno mit funky polternden Warehouse-Trax empfohlen hat.
Interview David Vunk
Bitte stelle dich vor.
Hey Jungs, mein Name ist David Vunk, ich bin der Label-Betreiber von Moustache Records und dem Sublabel
Moustache Techno Series. Ich lege seit den frühen Neunzigern in Clubs und auf illegalen Partys auf und produziere selbst Musik seit ungefähr 1999. Geboren und aufgewachsen bin ich in Rotterdam, veröffentlicht habe ich meine Musik auf Labels wie Moustache, Crème Organization, Lunar Disko und Elektrobot. Mein musikalischer Geschmack geht von House zu Disco und Techno, sowohl alt wie neu. Und alles dazwischen.
In Rotterdam haben Italo Disco und Vintage House immer eine große Rolle gespielt, es scheint so, als ob ihr musikalisch sehr loyal zu der Musik steht, die ihr mögt. Was ist deine Erklärung für diese regionale Besonderheit?
Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, ob sich hier jeder so loyal verhält. Aber Rotterdam bietet schon eine sehr gute musikalische Umgebung. Es ist eine „Nicht reden sondern handeln“-Mentalität, wie eine alte Redensart hier lautet. Für mich persönlich ist das wichtigste, nur das zu spielen, was mein Herz mir sagt. Ich versuche, so viel Musik zu hören wie irgendwie möglich. Ob das jetzt Disco, Italo, House, Techno, neue oder alte Produktionen sind, ist mir egal. Ich muss es einfach mögen. Ich bevorzuge Tracks, die eine spezielle Energie haben, die ich für den Dancefloor brauche.
Was hältst du von der ganzen Bootleg-Schwemme?
Ich kaufe mir so gut wie nie Bootlegs, weil sie normalerweise nicht besonders gut klingen. Außerdem finde ich es besser, wenn die ursprünglichen Autoren ihre Lizenzgebühren bekommen. Was ich allerdings mag, sind Bootlegs aus den Achtzigern und Neunzigern, die vor dem ganzen Hype gemacht wurden.
Warum hast du dein Label Moustache genannt?
Ich bin besessen von Schnurrbärten … ich weiß auch nicht warum. Toughe Jungs mit Schnurrbart sind die wahren Chefs, sie schauen aus, als ob man ihnen immer vertrauen kann. Eine Menge großartiger Produzenten, Nobelpreis-Gewinner und Innovatoren hatten einen. Es zieht mich einfach an. Ich sammle auch Bilder von Männern mit Schnurrbart, ich selbst habe aber keinen. Als ich mit dem Label angefangen habe, war mir
nach drei Minuten klar, wie ich es nennen muss: Moustache Records!
Ich habe gehört, dass dein Vater dir das Auflegen beigebracht hat.
Hahaha, er konnte gar nicht auflegen! Er ist seit 55 Jahren ein Songschreiber und Pianist, er hat mehrere Top 10 Hits geschrieben und ist mit Percy Sledge und Tina Turner auf Tour gewesen. Als ich zehn Jahre alt war, habe ich an seiner Roland TR 909 herumgespielt, aber ich war nicht so sehr daran interessiert Musik zu machen, ich habe viel mehr meine Liebe zum Plattensammeln entdeckt. Erst später kam das Produzieren dazu und ich habe meine eigene 909 bekommen. Ich bin wirklich stolz auf das, was mein Vater musikalisch erreicht hat, aber heutzutage befinde ich mich in der Position, ihm, der ein richtiger Musiker ist, zu erklären, wie er mit modernen Sequenzern arbeiten muss anstatt mit seinem alten 8-Track Aufnahmegerät. Er hat auch schon ein paar geschmeidige
10-stimmige Streicher mit einem Jupiter 8 auf Tracks von mir gespielt. Ich hoffe, ich kann irgendwann mal eine coole Platte mit ihm herausbringen.
Was können wir von der 5 Jahre Moustache Party in der Panorama Bar erwarten?
Das wird bestimmt eine super Nacht und ich freue mich schon total darauf. Das letzte Mal, dass ich bei euch gespielt habe, war auch super. Ich liebe den Club und die Crowd so sehr! Musikalisch wird es eine deepe Mischung aus Vintage House und neuem Kram, Disco, Italo, Chicago, Techno. Alles mit einer speziellen Energie. All unsere Künstler glauben an dieselbe Sache: dass ein guter Track ein guter Track ist, egal aus welchem Genre er kommt. Wenn ich es richtig sehe, hat jeder DJ, der am 14. April spielt, 20 Jahre DJ-Erfahrung. Ich freue mich auch, mit meiner alten Freundin Steffi zu spielen
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