|
Mangelndes Ironieverständnis kann man DJ Mehdi wohl kaum vorwerfen: 2005 veröffentlichte er auf seinem eigenen Label Espionnage die Stücke „Symphonie Pour Un Gangster“ und „Le Cirque“. Beide mit einem Feature der beiden großen (verstorbenen) Ikonen des US-Rap: 2Pac und The Notorious B.I.G.. Seit 1995 macht er Remixe für Künstler wie Cassius, Asian Dub Foundation, Keziah Jones und hat auch einige Soundtracks für französische und internationale Filme (z.B. Femme Fatale von Brian de Palma) komponiert. Nach einer respektablen Produzentenkarriere in der französischen HipHop-Szene gerät Mehdi Faveris Essadi über Pedros Managementfirma Headbangers Entertainment zu Ed Banger. Zugegeben: die Hypemaschine um dieses Label funktionierte in den letzten Monaten ganz gut. Euphorisch aufgelöste Gäste bei Liveveranstaltungen und das in Würde verwaltete Erbe des „state of Daft Punk“ sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen dafür, dass es ebenso weitergeht. Die Hedonisten reiten Frankreichs zweite Elektro-Welle, die nach Minimal Techno jetzt den ganzen Platz auf der Tanzfläche braucht. DJ Mehdi war 2007 der erste, der den Kicksüchtigen ein eigenständiges Künstleralbum zum Fraß vorwirft. Eklektische Party-Breakbeats und eine fast unerhört zwingende Catchyness subsumiert er unter dem Oberbegriff HipHouse. „Lucky Boy“ ist das zweite Baby des Parisers und klingt nach Zärtlichkeiten, orgiastischem Sex, den Schmerzen der Geburt und der eigenen musikalischen Vita. Ein intelligentes Stück kontemporärer Clubmusik, dass weder dem gemeinen Hipster noch dem Zirkel einer Breakdanceveranstaltung völlig gerecht wird, dessen Tänzer wiederholt „New Breaks“ vom DJ fordern. Doch die klassische B-Boy-Haltung, die nicht nur das Cover impliziert, macht seinen Sound durchaus angenehm erfrischend. Dieser Mann steht unter funky Strom. Kein Wunder, wird er dies- und jenseits des Atlantiks auch für DJ-Sets gebucht. „I'm serious about having fun”, gibt er zu Protokoll. DJ Mehdi, Ed Banger Records, Hedonismus und die Moral von der Geschichte: Spaßgesellschaft muss kein Schimpfwort sein.
|
|